Ostwestfälischer Turngau
Montag, 23.05.2022, 22:13:07
Schülermannschaftswettbewerbe des Turngaues Ostwestfalen im Gerätturnen

Wettbewerbe waren mehr als nur eine große Sache mit den kleinen Turnern

Zu Hause staubt schon mal die stark gebeutelte Matratze oder knarrt die Chaiselongue bedenklich, wenn Kinder ausgelassen auf den guten Stücken herumhüpfen. So fängt's an. Bewegungs und Darstellungsdrang. Solche und andere "Ungezogenheiten" in etwas ausgefeilter Form, erschütterten die Beverunger Sporthalle. Die Schülermannschaftswettbewerbe des Turngaues Ostwestfalen im Gerätturnen - das war mehr als nur eine große Sache mit kleinen Turnern!

Mit einem wahren Bewegungsluxus und einem Spass, der alles in die Ecke stellt, wurde gesprungen, gedreht, sich überschlagen, gehopst und - mit großen Augen auf die Siegerehrung gelauert. Sämtliche 432 Kinder aus 15 Vereinen hockten artig ums Siegertreppchen herum. Mucksmäuschenstill war's in der Halle - bis Jörg Gerdiken, Gaujugendwart im ostwestfälischen Turngau, die Platzierungen auflöste.

Heiser muss der junge Hallensprecher hinterher gewesen sein. Jeder Platz - auch und ganz besonders der 20. oder 19. - wurde mit Jubel und sonstigen Kapriolen gefeiert. Erfolg ist eben doch relativ. Aus den Kreisen Höxter, Warburg, Paderborn, Büren und Lippstadt kamen die Nachwuchsakrobaten.

108 Mannschaften, aus 15 Vereinen gebildet, turnten im Vierkampf die geschicktesten Flieger und Springer aus. Und echte Kampfrichter - "das sind die, die nachher immer die Punkttafeln hochhalten, wie im Fernsehen", wie ein kleiner Turner erklärte - gab es auch.

An vier verschiedenen Geräten zeigten die 6 - bis 14 jährigen, was sie können: Boden, Reck, Sprung, Barren und Schwebebalken. Am Schwebebalken hatten allerdings nur die Mädchen ihr Problem mit der Schwerkraft. Die Jungen wirbelten dafür durch und über die zwei Holme des Barren. " Das ist auch gut so. Der Schwebebalken ist nämlich viel zu wackelig ", meinte Christian Rose, siebenjähriger Turnsteppke vom Ausrichter TV 1913 Dalhausen.

Um welche Übungen ging's eigentlich? Das erklärt am besten ein Ke(ö)nner. Christoph Menke, sieben Jahre alt, vom TV 1913 Dalhausen: "Also, am Boden habe ich einen Purzelbaum vorwärts gemacht und dann so eine halbe Drehung. So ungefär" - sagt's und macht's vor. Köstlich! Und seine Reportage geht weiter: "An dieser Stange hab' ich eine Rolle gemacht und musste dann wieder hinter der Stange stehen." Das war der Unterschwung am Reck.

Auch seine Übungen am Barren und seinen Bocksprung, der ein Grätschsprung war, machte der turnbegeisterte Pfiffikus anschaulich klar. Gemeinsam mit seinen zwei Freunden belegte er Platz 1 in Wettkampfklasse 11. Aber, ob nun die Mädchen vom TV 1895 Steinheim, die Turnerinnen und Turner vom HLC Höxter, die Lokalmatadore vom TV 1913 Dalhausen oder die Mädchengarde des TV Jahn Bad Driburg mit Trainerin Elke Peters - das Kribbeln in der Magengegend hatten sie wohl alle bei der Siegerehrung.

Gewonnen haben sie eh alle. Und Spaß hat's - logo - auch gemacht. Zufrieden waren nicht nur die Kinder. Mit einer kaum zu leugnenden Portion Stolz waren die ebenso sportbegeisterten Eltern dabei. Schließlich durfte jede Mannschaft, jede Turnerin und jeder Turner aufs Treppchen. "Das ist eigentlich ein Breitensportwettkampf", unterstrich Alfons Menke, Gauoberturnwart des TV 1913 Dalhausen, den Charakter des Spektakels. Gemeinsam mit Hubertus Menke zog der Mann für alles beim TV die Veranstaltung durch. Und das perfekt.

Sogar für die Pausen war gesorgt. Draußen auf dem Sportplatz war eine beaufsichtigte Spielwiese aufgebaut - so richtig zum Austoben. Prominenz war auch da: Ingrid Deimel (ostwestfälische Kunstturnwartin und Landesturnwartin im Westfälischen Turnverband) Ingrid Glunz (verantwortlich fürs Kinderturnen im Gau), Bernhard Nolte (1. Vositzender des TV 1913 Dalhausen), und sogar Beverungens Bürgermeister Alfons Weische war zwischen Frühstück und Schützenfest auf einen Sprung vorbeigekommen. Eine prima Veranstaltung - mit viel Spiel, Spaß und tollem Sport.

entnommen aus dem Westfalenturner Nr. 7 Juli 1991