Ostwestfälischer Turngau
Freitag, 19.07.2024, 17:10:21
Jahresbericht des Gauturnwartes

Ein Jahr liegt hinter uns, so reich an turnerischer Arbeit und nationalen Begebenheiten, wie es wohl so leicht nicht wiederkehren wird. Festlich begangen wurde das 25jährige Regierungsjubiläum unseres Kaisers, sowie die Einweihung des Stadion im Grunewald bei Berlin.
Dann feierte ganz Preußen und Deutschland die 100jährige Wiederkehr der Erhebung gegen Napoleon I., verbunden mit der Einweihung des Völkerschlachtdenkmals bei Leipzig.
Selbstredend nahm die Deutsche Turnerschaft regen Anteil an diesen Feiern. Ganz besonders aber zeigte die Deutsche Turnerschaft ihre Größe und ihr Können auf dem so unvergleichlich schönen und großartig verlaufenen Deutschen Turnfeste in Leipzig. Auch unser Gau hat sehr regen Anteil an den turnerischen Veranstaltungen dieser Feste genommen. An der Stadioneinweihung nahmen von unserm Gau als Wetturner teil die Turngenossen Joseph Schäfers vom Turnverein Jahn Paderborn und Alfred Röbe vom Turnverein Lippstadt und kamen beide als Sieger zurück. Uber den Verlauf des unvergeßlich schönen Deutschen Turnfestes sind wir alle unterrichtet, so daß es sich erübrigt, hier noch näher darauf einzugehen. Beim Wetturnen errangen 4 Turngenossen unseres Gaues den Eichenkranz, und zwar im Sechskampf mit 96 Punkten den 12. Kranz der Turngenosse Joseph Schäfers vom Turnverein "Jahn" Paderborn, mit 86,5 Punkten den 31. Kranz der Turngenosse Alfred Röbe vom Turnverein Lippstadt, mit 85 Punkten den 34. Kranz der Turngenosse Otto Richter desselben Vereins und mit 75,5 Punkten den 53. Kranz der Turngenosse August Rodenkämper ebenfalls vom Turnverein Lippstadt. Auf diesen Erfolg können wir gewiß Stolz sein, und wollen wir diese wackeren Turngenossen von Herzen beglückwünschen; wurde es ihnen doch gewiß nicht leicht gemacht, die Punktzahl zum Siege zu erringen.
Innerhalb des Gaues haben stattgefunden: 2 Gauvorturnertage, das Gaufest in Soest, das Gauspielfest in Elsen und das Vereinsturnwarteturnen in Lippstadt.
Ueber dieses, sowie über den Eilbotenlauf zur Einweihung des Völkerschlachtdenkmals, sind die Berichte in den vorhergehenden Gaublättern erschienen. Der Bericht über das Turnen der Vereinsturnwarte befindet sich in dieser Nummer. Ueber die Arbeit in den drei Bezirken berichten die Bezirksturnwarte. Einige Vereine versäumen es noch immer, die Gauvorturnerstunden zu besuchen, welches nur zu ihrem eigenen Schaden ist. Es wird gewiß den Turnern manches Neue zur Anregung geboten und wollen wir hoffen, daß auf den nächsten Gauvorturnerstunden kein Verein mehr fehlen wird.
In diesem Jahre fällt das Gaufest aus, weil in Münster vom 20. - 22. Juni unser Kreisfest stattfindet.
Es verspricht dieses ein glänzendes Fest zu werden; ist doch Münster Regierungs- und Universitätsstadt und Sitz des Generalkommandos.
Auch das neue Jahr wird alle unsere Kräfte beanspruchen und wollen wir freudig weiter werben und arbeiten für unsere Turnsache, für unser eigenes Wohl und für das Wohl unseres Vaterlandes!

Heinrich Pilger, Gauturnwart

entnommen aus "Blätter für den Ostwestfälischen Turngau" No. 83, 31. Januar 1914