Ostwestfälischer Turngau
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1. Gauvorturnertag des Ostwestfälischen Turngaues in Geseke

Geseke. Erste Gauvorturnerstunde des Ostwestfälischen Turngaues, abgehalten zu Geseke am 11. März 1894. Wohl selten ist einer Vorturnerstunde soviel Interesse gewidmet worden, wie gerade dieser. War es doch die Erste im jungen Ostwestfälischen Gau, und galt es zu zeigen, daß jeder einzelne Verein sich bestrebe, das Seinige zur Größe u. Vervollkommnung des neugegründeten Gaues beizusteuern. Vollzählig waren die dem Gau angehörenden Vereine vertreten, und zwar durch eine solche Anzahl ihrer besten Turner, daß selbst die Leiter des Gaues hierüber staunten. Es waren über 120 auswärtige Turner anwesend. Punkt 3 Uhr zur anberaumten Stunde eröffnete der erste Gauturnwart Herr Rohde, Paderborn mit kernigen Worten die Vorturnerstunde. Seine Befriedigung über die zahlreiche Betheiligung aussprechend, mit dem Wunsche, es möge der Ostwestfälische Gau fürderhin wachsen und erstarken. Gaugeschäftsführer, Herr Oberlehrer Leinweber, Soest, begrüßte hierauf Namens des Gauvorstandes die erschienenen Turner, dieselben mit herzlichen Worten ermahnend, auch in Zukunft fest und treu zur deutschen Turnerschaft zu stehen, am Schlusse seiner Rede ein dreifaches, von den Turnern mit Begeisterung ausgenommenes „Gut Heil“ auf Sr. Majestät Kaiser Wilhelm II. als geliebter Landesvater und Förderer der echten deutschen Turnerei ausbringend.
Auf Kommando des ersten Gauturnwartes wurde in einem Gliede angetreten und begann mit Aufmarsch und Freiübungen jetzt der fröhliche Wettbewerb. Die Geräthe-Uebungen, namentlich am Reck, zeigten so recht deutlich was für ausgezeichnete Kräfte der Gau besitzt.
Mancher allgemeine Ausruf des Erstaunens, selbst aus Turnermunde, legte hiervon Zeugniß ab. Die schwersten Uebungen wurden mit einer derartigen Sicherheit und Haltung ausgeführt, daß selbst der schärfste Kritiker nichts aussetzen konnte. Es wurde am Barren, Reck und Pferde geturnt, außerdem die volksthümlichen Uebungen Steinwerfen und Hochsprung durchgenommen, welche ebenfalls überraschende Leistungen zeigten. Nach etwa dreistündigem Turnen waren sämmtliche Uebungen der Tagesordnung gemäß durchgenommen und begann jetzt der gemüthliche Theil des Abends. Herzliche Toaste wechselten mit Vorträgen, und war es für jüngere Turner erhebend, zu sehen, in welcher Art und Weise die Leiter des Gaues mit jedem Turner verkehrten. Ist dieses gerade etwas eigenartiges im Turnverein. Während des Turnens stramme Ordnung, nach dem Turnen Gleichstellung Aller, wo weder Rang, Stellung noch Confession eine Schranke zieht. Und in diesem Sinne ist die Turnerstunde ohne den geringsten Mißton verlaufen. Nur zu schnell nahte die Stunde des Abschiedes für die auswärtigen Turner, die mit herzlichen Gut Heil und auf Wiedersehen zum Gauturnfeste Geseke mit Befriedigung verließen. Hierzu hat die allseitige als sehr gut bezeichnete Bedienung des Vereinswirthes Herrn Grewe das Ihrige beigetragen. Ihm sowohl, wie den Turnern des Turnvereins Geseke, Dank für die freudige Mitwirkung, die uns die Anerkennung unserer auswärtigen Mit-Turner erworben hat. Für den Turnverein Geseke wird die Vorturnstunde ein Sporn zur Uebung und Vervollkommung sein.

entnommen aus "Geseker Zeitung" Nr. 21 vom 14. März 1894