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Soest, 1. October. Die gestern in der städtischen Turnhalle stattgefundene dritte Gauvorturnerstunde des Ostwestfälischen Turngaues war gut besucht. Von 16 dem Gaue angehörenden Vereinen waren 44 Vorturner erschienen. Die vorgeführten Uebungen bestanden in Aufmarsch und Stabübungen, Uebungen am Reck und Pferd, Gewichtheben und Weitspringen. Hervorheben möchten wir, daß die Musterriege des Soester Turnvereins ihre Uebungen am Barren recht exact ausführte. Die sich anschließende Vorturnersitzung im Vereinslokale des Soester Turnvereins bei Herrn C. Topp wurde von dem ersten Gauturnwart Herrn J. Rohde, Paderborn eröffnet. Vor Eintritt in die Tages-Ordnung hielt der Gauvertreter Gymnasialoberlehrer Herr Dr. Schäfer, Soest an die Vorturner eine Ansprache worin er vorab bemerkte, daß die soeben ausgeführten Uebungen ihn recht befriedigt hätten. Auf das erste in Paderborn gefeierte Gaufest zurückkommend war Redner der Ansicht, daß man mit dem Resultat in der That sehr zufrieden sein könne. Allerdings hätten sich noch einige Mängel nachträglich herausgestellt, welche man thunlichst beseitigen werde. Dann machte Redner einige Mittheilungen von dem großen Turnfeste in Breslau, wo es dem 8. deutschen Turnkreise gelungen sei 7 bis 8 Preise und einige lobende Anerkennungen davonzutragen. Redner bat sodann, daß man das, was man in der heutigen Vorturnerstunde gesehen und geübt habe, nun auch in den Vereinen fleißig weiter üben möge, damit der Ostwestfälische Gau auch dereinst an dem demnächstigen großen Turnfeste sich in die Reihen der Wettbewerber stellen könne, und aus dem Kampfe als Sieger mit hervorgehe. Dieses könne aber nur dann geschehen, wenn man jetzt, wo der Winter vor der Thüre stehe, welches bekanntlich die beste Zeit zum Turnen sei, fleißig übe. Der Ostwestfälische Gau möge Wachsen, Blühen und Gedeihen zum Segen des Vaterlandes! Zur Tagesordnung übergehend kritisirten die Berichterstatter die in der Vorturnerstunde vorgeführten Uebungen. Nach Erstattung der Reisegelder an die auswärtigen Turner gab der Gauturnwart einen Ueberblick über das Gaufest. Dasselbe hatte einen Ueberschuß von ungefähr 600 Mark. Sodann beschloß man mit der nächsten Gauvorturnerstunde, welche im Monat November in Lippstadt stattfindet, einen Gauturntag abzuhalten. Hiermit war die Tagesordnung erledigt und schloß der Gauturnwart die Sitzung mit dem Wunsche, daß auch die nächste Gauvorturnerstunde so zahlreich besucht sein möge wie die heutige. Gut Heil!
Entnommen aus "Soester Kreisblatt" Nr. 115 vom 2. Oktober 1894
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