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Paderborn, 4. Dez. Zu der am gestrigen Nachmittage Seitens des Gaugeschäftsführers des Hellweg-Märkischen Turngaues Herrn Dr. Schäfer, Soest einberufenen Versammlung behufs Bildung eines neuen Gaues im Osten Westfalens waren 11 Vereine mit 21 Deputirten sowie eine große Anzahl Freunde der Turnerei erschienen. Herr Dr. Schäfer legte eingehend die Gründe dar, welche für eine Theilung des umfangreichen Gaues des Hellweg-Märkischen gewesen seien, und welche es als ein Bedürfniß erscheinen lassen auch die im Osten Westfalens bestehenden Turnvereine zu vereinigen und als besonderen Gau in die Kette der deutschen Turnerschaft einzugliedern. Auf Vorschlag aus der Versammlung wurde Herr Dr. Schäfer mit der Leitung der heutigen Versammlung, zum Schriftführer Herr Jordan, Paderborn berufen. Sodann stellte Vorsitzender die Frage über die Nothwendigkeit der Bildung eines neuen Gaues im Osten Westfalens zur Discussion. Herr Blömeke, Neuhaus theilte der Versammlung mit, daß er Namens des bereits bestehenden Ostwestfälischen-Turngaues die Erklärung abzugeben ermächtigt sei, daß die demselben angehörenden Vereine bereit seien, dem neuen Gaue geschlossen beizutreten, jedoch den Wunsch aussprächen, dem neuen Gaue den Namen „Ostwestfälischer Turngau" zu geben. Bei der folgenden Abstimmung wurde einstimmig die Bildung eines neuen Gaues beschlossen, und ebenso mit Einstimmigkeit beschlossen denselben „Ostwestfälischer-Turngau" zu benennen. Die legitimirten Vertreter erklären sämmtlich, daß ihre Vereine dem neuen Gaue beizutreten entschlossen seien. Auch der nicht mit Vollmacht versehene Vertreter des Vereins „Warburg“ stellte den Beitritt in Aussicht. Der Vertreter des Turnvereins „Wiedenbrück" erklärte, daß auch dieser Verein dem Ostwestfälischen Turngaue beitreten werde, wenn der Kreisausschuß die Genehmigung zum Ausscheiden aus dem Minden-Ravensberger-Gau ertheile. Sodann schritt man zur Wahl eines aus 6 Mitgliedern bestehenden provisorischen Vorstandes, der bis zum ersten ordentlichen Gauturntage im Amte bleiben soll. Als erster Gauvertreter wurde Herr Dr. Schäfer, Soest, als zweiter Gauvertreter Herr Ripke, Lippstadt, als erster Gauturnwart Herr Rhode, Paderborn, als zweiter Gauturnwart Herr H. Rüther, Soest, als Geschäftsführer Herr Blömeke, Neuhaus, als Kassirer Herr Kfm. B. Amend, Paderborn gewählt. Nunmehr wurde zur Berathung der Satzungen des neuen Turngaues übergegangen und hierbei der Vorstand ersucht, bei Ausarbeitung der Statuten darauf bedacht zu nehmen, daß es den dem Gaue angehörenden Vereinen nicht zu gestatten sei, Festlichkeiten solcher Vereine offiziell zu besuchen, welche der deutschen Turnerschaft oder einem andern Gaue angehören. Hinsichtlich der Grenzen des Ostwestfälischen Gaues soll es dabei belassen werden, wie es auf dem Gautage des Hellweg-Märkischen-Gaues in Hörde beschlossen ist. Bezüglich der finanziellen Auseinandersetzungen mit dem Hellweg-Märkischen-Gaue wurde dem heute gewählten Vorstande des Weitern anheimgegeben. Herr Blömeke erklärte Namens des früheren Ostwestfälischen-Gaues, daß dieser bereit sei, den vorhandenen Kassenbestand in den neuen Gau einzuschießen. Als Gausteuer soll von jedem Mitgliede 25 Pfg. pro Jahr erhoben werden. Einstimmig wurde der Vorschlag zur Einladung des Hellweg-Märkischen Gaues zu einer gemeinsamen Sitzung beider Gaue in Soest angenommen. Der Herr Vorsitzende bat sodann etwaige Anträge zu dieser Versammlung ihm spätestens bis Ende December zugehen zu lassen. Herr Seringhaus, Soest stellte den Antrag, dem Herrn Horchler (Vorsitzender des Turnvereins „Jahn" Paderborn) Seitens des Gauturnraths den Dank und die Anerkennung für seine Bemühungen zur Bildung des heute gegründeten Gaues auszusprechen. Mit Rücksicht auf die lebensgefährliche Erkrankung desselben wurde auf Vorschlag des Herrn Vorsitzenden dieser Dank durch erheben von den Sitzen und Ausbringung eines „Gut Heils" entsprochen. Da hiermit die Tagesordnung erschöpft und auf Befragen des Vorsitzenden weitere Anträge nicht gestellt wurden, schloß derselbe die Versammlung, einem Rückblick auf den Verlauf und unter Hinweis auf die Entstehung und Entwickelung der Turnerei werfend, mit einem Hoch auf Seine Majestät den Kaiser, den Schirmherrn der deutschen Turnerschaft. Nach dem mit Jubel aufgenommenen Hoch wurde stehend „Heil dir im Siegerkranz“ gesungen. Erwähnt sei noch, daß dem Kreisvertreter des VIII. Kreises, Herrn Schloer, M.-Gladbach, von der Constituirung telegraphisch Kenntniß gegeben wurde. Gut Heil. Entnommen aus dem "Soester Kreisblatt" Nr. 143 vom 5. Dezember 1893 Entnommen aus der "Lippstädter Zeitung" Nr. 97 vom 5. Dezember 1893
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