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Paderborn, 4. Dec. Ein für die Entwicklung der Turnerei in der Provinz Westfalen, besonders in dessen östlichen Theile höchst bedeutsamer Schritt ist gestern vollzogen worden. Gerade letzterer Landestheil stand in dieser Beziehung gegen den westlichen Theil unserer Provinz weit zurück und zwar hauptsächlich wegen seiner Zugehörigkeit zum Hellweg-Märkischen Turngau, der sich von der holländischen Grenze im nord-westlichen Westfalen bis zur braunschweigischen und hessischen Grenze erstreckt, also ein so ausgedehntes Gebiet umfaßt, daß ein gemeinschaftliches Zusammenwirken und gegenseitige Förderung wenig oder gar nicht möglich erschien. Um die schon seit mehreren Jahren schwebende Frage der Theilung des Hellweg-Märkischen Gaues zu lösen, war gestern durch den Geschäftsführer dieses Gaues Herrn Gymnasiallehrer Dr. Schäfer in Soest im Auftrage des Gauturnrathes (Vorstandes) - und im Einverständnisse mit dem Ausschusse des VIII. Deutschen Turn-Kreises (Rheinland-Westfalen) - eine Versammlung sämmtlicher östlich von der westlichen Grenze des Kreises Soest belegener westfälischer Turnvereine nach hier berufen worden. Es waren 11 Turnvereine mit 1115 Mitgliedern auf dieser Versammlung vertreten, welche einstimmig die Gründung eines neuen Gaues unter dem Namen „Ost-Westfälischer Turn-Gau" beschlossen und sämmtlich sofort ihren Beitritt hierzu erklärten. Derselbe besteht somit aus den Vereinen in Soest (2), Lippstadt, Warstein, Salzkotten, Paderborn (3), Neuhaus, Driburg, Altengeseke. Der vor 2½ Jahren hierselbst - jedoch ohne Anschluß an die Deutsche Turnerschaft und ohne die Zustimmung ihrer Vertretungs-Organe - bereits gegründete kleine „Ost-Westfälische Gau“ mit 5 Vereinen (Paderborn, Neuhaus, Soest, Warstein) hat sich gestern aufgelöst und ist geschlossen mit seinem vollen Kassenbestande dem neuen Gaue beigetreten. Der Beitritt der Vereine in Geseke, Warburg, Werl steht mit Sicherheit zu erwarten. Brakel und Höxter werden jedenfalls auch folgen. Der Anschluß der Vereine in Wiedenbrück, sowie Rheda, Gütersloh und Bielefeld, welche jetzt noch dem Minden-Ravensbergischen Turn-Gau angehören, von diesem sich aber zu trennen beabsichtigen, dürfte ebenfalls in nicht zu ferner Zukunft erfolgen. Der neue „Ost-Westf. Gau" bildet somit eine geschlossene Einheit auf einem nicht weit ausgedehnten Gebiete, und gerade dieser Umstand ermöglicht ihm eine erfolgreiche Wirksamkeit. Zum 1. Gauvertreter (Vorsitzenden) des neuen Gaues wählte der gestrige Gauturntag Herrn Gymnasiallehrer Dr. Schäfer, Soest, zum 2. Gauvertreter Herrn Realgymnasiallehrer Dr. Ripke, Lippstadt, zum 1. Gauturnwart Herrn Rohde, Paderborn, zum 2. Gauturnwart Herrn Rüther, Soest, zum Gau-Geschäftsführer Herrn Blömeke, Neuhaus, zum Gau-Cassirer Herrn Amend, Paderborn. Den neuen Gau kann man zur Wahl solch bewährter Vertreter nur beglückwünschen. Auf einem im Januar n. J. in Soest gemeinschaftlich mit dem alten Hellweg-Märkischen Gaue abzuhaltenden Gauturntage wird die endgültige Auseinandersetzung der beiden Gaue besonders nach der finanziellen Seite hin, sowie die Festsetzung der Satzungen für den neuen Gau erfolgen. Wünschen wir demselben nunmehr ein kräftiges Blühen, Wachsen und Gedeihen.
Entnommen aus der "Geseker Zeitung" Nr. 97 vom 6. Dezember 1893 Entnommen aus "Allgemeiner Anzeiger für Brakel und Umgegend" Nr. 142 vom 7. Dezember 1893 Entnommen aus "Huxaria" Nr. 144 vom 7. Dezember 1893 Entnommen aus "Dortmunder Zeitung" Nr. 336 vom 7. Dezember 1893 Entnommen aus "Hagener Zeitung" Nr. 288 vom 8. Dezember 1893
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