Ostwestfälischer Turngau
Mittwoch, 21.02.2024, 05:26:25
Bericht über den Gauturntag in Paderborn

am 15. Februar 1925

hat man durch das Lesen der "großen Turnzeitungen" den Eindruck gewonnen, in wie großzügiger Weise die verschiedenen Zweige des Turnens in ihrer Entwicklung gefördert werden und mit welcher Schnelligkeit letztere von Statten geht, so zeigt ein Gauturntag, welche Kleinarbeit zu leisten und zu bewältigen ist, damit die großen Räder des feinen Uhrwerks laufen können. Von den erhebenden Zielen, welche der deutschen Turnerei zugrunde liegen, ging der Gauvertreter, Herr Meyer zu Köcker aus, als er nach herzlichen Begrüßungsworten des Turnbruders Suck vom Turnverein Jahn Paderborn, die Vertreter des Gaues begrüßte und sie zu neuen Opfern für unsere heilige Aufgabe zu neuer Arbeit am deutschen Volk ermunterte. Des weiteren gab der Gauvertreter einen eingehenden Bericht über seine Arbeit im Gau, die Spezialisierung der Arten des Turnens, die Vertretung im Kreise, Besuche von Veranstaltungen im Gau, Aufstellung und Korrektur von Listen etc., bürden dem Vorsitzenden größere Arbeitslasten auf, als früher.
Aus der vom Vorsitzenden aufgestellten Jahresstatistik geht als Hauptsache folgendes hervor:

Bestand an Turnern(-innen) 1924 war folgender:

Schüler unter 14 Jahren 279
14 - 21 jähr. Turner(-innen) 1028
über 21 jähr. Turner(-innen) 1529 und 51 gl. 1580

Also 2924 gegen 3025, mithin 272 T. verloren. Folgende Zahlen werfen ein Licht auf den Betrieb, innerhalb der Vereine:

Geturnt haben 56760 Turner u. 9600 Turnerinnen, gespielt 10100 Turner, 700 Turner (-innen) haben geschwommen, 2800 gewandert, gefochten wird im Gau überhaupt noch nicht.

Von einem erfreulichen Fortschritt kann demnach keine Rede sein.

Nach dem Gauvertreter erstattet der Gauturnwart Pilger seinen Bericht. Er ist erfreut über die zunehmende turn. Arbeit, wünscht, daß der Städte-Wettkampf auch auf ländliche Gemeinden übertragen werde. Er dankt den Siegern, die sich in Hagen in heißem Kampfe einen Kranz errungen haben.

Der Bericht des Kassierers Knobbe, der einzelnen Vereinskassenwarten wegen ihrer pünktlichen Zahlungen seinen Dank abstattet, zeichnet sich durch angenehme Kürze aus. Die Kasse weist einen Ueberschuß von 78,74 Mk. auf. Auf Antrag des Turng. Schäfers, Paderborn wird dem Gaukassierer Entlastung erteilt. Nachdem anschließend der Gauspielwart, die Bez.-Turnwarte, der Frauenturnwart ihre Wünsche, Anregungen und Berichte vorgetragen haben, verliest der Vorsitzende die Mitteilung des Gaujugendwarts, der an der Versammlung nicht teilnehmen konnte. In der darauf folgenden Diskussion wurde allgemein ein intensiverer Spielbetrieb, die Schaffung von Spielplätzen, schärfere Wertung der Leistungen, Schutz von Turnern gegen Uebergriffe gefordert.

Einige Anträge des Gauturnrates rufen eine längere Debatte hervor, z. B. der auf Festsetzung des Gaubeitrages. Schließlich wird dieser auf 1,70 Mark für über 14 Jahre alte Turner(-innen) und auf 35 Pfennig für unter 14 Jahre alte Turner(-innen) festgesetzt. Das Gaublatt soll wie in den Vorjahren erscheinen, auf je 5 Mitglieder ein Exemplar.

Ueber die Verteilung der Feste und Gauveranstaltungen gibt der Turnkalender Aufschluß.

Sodann nimmt die Versammlung Stellung zu den Anträgen der Vereine. Dem Turnverein "Jahn" Soest wird der Rest der Gausteuer, etwa 150 Mk., erlassen.
Dem Turnverein Altenbeken wird eine Unterstützung von Mark zum Bau der Jugendherberge bewilligt. Dem Antrag des Soester Turnvereins von 1862": "Erstattung der Fahrtkosten für den Gaumeister in Faust-, Handball usw. bei Ausscheidungskämpfen" wird zugestimmt.
Auch der Antrag Elsen: "Nicht Nenngeld, sondern Festbeitrag soll bei der Anmeldung zum Feste entrichtet werden" wird angenommen.

Die Vereinsvertreter wählten zum Schluß der Tagesordnung Turnbruder Meyer zu Köcker zum Gauvertreter und Turngen. Baucks zum Gaugeschäftsführer wieder. Turngen. Lengeling erhielt das Amt des Gausportwarts, Turngen. Hönnemann das des Gauspielwarts. Zum Bez.-Turnwart des 1. Bez. wird Turngenosse Schallert, Lippstadt gewählt.

Bevor die Vertreter sich trennten, widmete der Vorsitzende dem Turngen. Pilger, der 25 Jahre das Amt eines Gauturnwarts bekleidet und es mit Hingebung und Freude geführt hat, Worte des Dankes und der Anerkennung, die bei den Turnern ein lebhaftes Echo erweckten.

Carl Baucks

entnommen aus "Blätter für den Ostwestfälischen Turngau" No. 119, März 1925